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Internationales Wachstum dank Spezialisierung

Interview mit Nino Tomovski, CEO, Infradata Group

Angemessenen Schutz von IT-Umgebungen und -Anwendern zu organisieren, ist eine komplexe Aufgabe, die immer anspruchsvoller wird. Identitätsdiebstahl, DDoS-Angriffe und Hacking haben sich als äußerst lukrative kriminelle Geschäftsfelder erwiesen. Deshalb entwickeln Hacker ständig neue Techniken, um sich und ihr Handeln effektiver zu tarnen und traditionelle Gegenmaßnahmen zu umgehen. „Früher lag die Verantwortung für die Sicherheit beim Netzwerkmanager“, sagt Nino Tomovski, CEO von Infradata. „Aber diese Regel gilt nicht mehr. Security ist inzwischen eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten geworden, und jeder IT-Profi muss sich täglich damit auseinandersetzen.“

Nino Tomovski ist der Ansicht, dass vielen Unternehmen, Behörden und Großorganisationen das Gefühl für die Dringlichkeit von Cyber Security fehlt. „Viele Leute glauben, es sei alles nicht so schlimm, und es werde schon alles gut gehen. Aber das ist definitiv ein Irrtum.“ Der CEO ist der Meinung, dass Unternehmen lernen müssen, Security bei allen Projekten und Aktivitäten als wesentliches Element zu verankern – und auch das nötige Budget. Die Verantwortung dafür tragen IT-Abteilung und Management. Aus diesem Grund hat sich Infradata bewusst für die internationale Spezialisierung auf Cyber Security, Cloud und Networking entschieden. „Viele unserer Kunden sind international im Geschäft. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, bedienen wir den gesamten europäischen Markt“, sagt Tomovski am Hauptsitz von Infradata in Leiden/Niederlande.

Infradata wurde 2004 von Leon de Keijzer gegründet und hat sich seitdem zu einem globalen Anbieter von Services und Lösungen für Cyber Security, Cloud und Networking entwickelt. Als der Gründer 2019 in den Verwaltungsrat wechselte, übernahm Tomovski die Verantwortung für das Tagesgeschäft. Tomovski wuchs in Nordmazedonien auf und absolvierte sein Studium als IT-Ingenieur in Boston, USA. „Ich habe nach meinem Abschluss für unterschiedlichste Unternehmen gearbeitet. Seit dem Jahr 2000 arbeite ich in den Niederlanden, und 2010 kam ich zu Infradata. Hier durchlief ich fast sämtliche Arbeitsbereiche des Unternehmens.“

Kundenspezifische Cyber Security

Um die laufenden Security-Projekte für Unternehmen, Behörden und Großorganisationen weiterhin bearbeiten zu können, musste Infradata im Jahr 2018 über mehrere Länder verteilt mehr als achtzig neue Mitarbeiter einstellen. „Wir sind in den letzten drei Jahren sehr schnell gewachsen, vor allem in Märkten außerhalb der Niederlande“, berichtet Tomovski. „Unsere Kunden kommen hauptsächlich aus dem verarbeitenden Gewerbe, aus dem Finanzsektor und von Behörden. Wir bieten aber auch Services für eine Reihe von Universitäten und Forschungseinrichtungen an.“ Seit 2016 konzentriert sich das Unternehmen auf Cyber Security. Eine wichtige Rolle in diesem Geschäft spielt Cloud Security, weil immer mehr Behörden, Unternehmen und Verbände mit der Cloud verbunden sind. „Auf der breiten Wissensbasis unserer Spezialisten liefern wir ausschließlich maßgeschneiderte Lösungen. Denn jeder Kunde hat spezielle Anforderungen und ist unterschiedlichen Risiken ausgesetzt.

Die „eine Lösung für alle“ gibt es nicht, weil die digitale Infrastruktur jeder Organisationseinheit einzigartig ist. Um unseren Kunden eine umfassende Lösung anzubieten, wenden wir das DBOM-Prinzip an (Design Build Operate and Maintain). Eine Schlüsselrolle für diese Strategie spielen unsere internationalen strategischen Partner, darunter F5 Networks, Fortinet, Juniper Networks, McAfee und Palo Alto Networks.“

Erstes internationales Wagnis

Fünf Jahre nach seiner Gründung wagte sich Infradata erstmals auf den internationalen Markt: 2009 wurde eine Niederlassung in Brüssel eröffnet. Im Zuge echten organischen Wachstums konnte die Niederlassung 2010 den großen belgischen Telekommunikationsanbieter Mobistar (heute Orange) als Kunden gewinnen. 2012 gewann Infradata auch das Vertrauen von Telenet, einem weiteren großen belgischen Telekommunikationsunternehmen. Aber wie bei jedem Neuanfang gibt es gute und weniger gute Jahre, reflektiert Tomovski diese Zeit. „Rückblickend betrachtet war unser erstes internationales Abenteuer besonders wichtig für uns, weil wir dabei gelernt haben, dass es unverzichtbar ist, mit einem starken lokalen Team zu arbeiten. Dieses Team muss ein Club erfahrener Fachleute sein, die die Einheimischen verstehen und die landestypische Art und Weise, Geschäfte zu machen.“

“Früher lag die Verantwortung für die Sicherheit beim Netzwerkmanager. Aber diese Regel gilt nicht mehr. Security ist inzwischen eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten geworden, und jeder IT-Profi muss sich täglich damit auseinandersetzen.” - Nino Tomovski, CEO, Infradata Group

Wissen und Technologie verknüpfen

Irgendwann stand das Unternehmen vor der Wahl, sein Produktportfolio zu erweitern oder sich zu einem wahrhaft internationalen Spezialisten auf dem Markt zu entwickeln. Es entschied sich für die zweite Option. Ein Jahr nach der Gründung der belgischen Niederlassung konnte Infradata auch seine ersten Kunden in Deutschland gewinnen. „Wir haben diese Kunden zunächst von unserem Sitz in den Niederlanden betreut. Nach weiterem Wachstum war es aber an der Zeit, auch in Deutschland eine Niederlassung zu eröffnen“, rekapituliert Tomovski die Entwicklung.

Im Jahr 2014 fiel die Wahl auf die Dortmund. An diesem Standort arbeiten inzwischen 25 Mitarbeiter. Auch die 2012 gegründete Niederlassung in Polen erlebte ein rasantes Wachstum. „Im Jahr 2014 wurden die drei größten Telekommunikationsunternehmen Polens unsere Kunden! Danach nahm die Entwicklung von Infradata massiv Fahrt auf. Immer mehr große Großkunden aus dem Telekommunikationssektor folgten, darunter namhafte Unternehmen wie KPN, Liberty Global und Vodafone. 2015 erwarb Infradata das britische Unternehmen Quonubes. „Als unabhängiger Experte für Automatisierung und Networking passte dieses Unternehmen perfekt zu uns. Mit dem hinzugewonnenen Wissen und durch die Kombination der Technologien beider Unternehmen konnten wir die Entwicklung einer innovativen Netzwerkplattform beschleunigen. Daraufhin war es uns möglich, unseren Kunden in Großbritannien Services für die Verwaltung und den Schutz komplexer Netzwerkumgebungen anzubieten, als wir begannen, den britischen Markt zu erschließen“, erklärt Tomovski.

Französische Revolution

2016 erwarb Infradata den Pariser Cyber Security-Spezialisten Nomios. „Nomios hat sehr starke Positionen unter anderem in den Bereichen Telekommunikation, Finanzwirtschaft und Verteidigung. Für diese Übernahme war die Zustimmung der französischen Regierung erforderlich, weil Nomios kritische Daten und IT-Infrastrukturen für Regierung und Verteidigung sichert“, berichtet Tomovski. Um seine Position in Frankreich auszubauen, investierte Infradata in erheblichem Umfang in lokale Agenturen. „Neben dem Hauptsitz in Paris verfügen wir nun über sechs weitere Büros in Frankreich. Insgesamt arbeiten in unseren Niederlassungen 130 Mitarbeiter, die für über 600 Kunden tätig sind, darunter viele Kommunen. Durch europaweiten Erfahrungsaustausch können wir unseren Kunden in ganz Europa noch besseren Service bieten.“

“Vor allem haben wir gelernt, dass es unverzichtbar ist, mit einem starken lokalen Team zu arbeiten." - Nino Tomovski, CEO, Infradata Group

Gemeinsame Identität

Die Eröffnung von Niederlassungen und die Übernahme von Unternehmen im Ausland bringen eigene Herausforderungen mit sich. „Die größte Herausforderung besteht darin, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzuarbeiten und ein Team zu formen“, erklärt Tomovski. „Um erfolgreich zu sein, braucht man eine gemeinsame Identität, die auch von der Außenwelt wahrgenommen wird. Neben den Herausforderungen gibt es aber auch viele Vorteile. Jedes Land hat seine eigenen spezifischen Kenntnisse und Erfahrungen. Da die verschiedenen internationalen Teams in unseren Projekten eng zusammenarbeiten, lernen sie voneinander und stärken sich gegenseitig. Ein Pluspunkt ist auch, dass die Logistik innerhalb der EU relativ einfach zu organisieren ist. Außerhalb der EU könnte das ganz anders aussehen. Länder wie Argentinien, Brasilien und Indien sind herausfordernde Standorte, an denen man anfangen kann, Cyber Security Services anzubieten, weil Import und Export den sicheren Umgang mit komplexen Prozessen erfordern.“

Sichere und vernetzte Zukunft

Polen ist das jüngste Beispiel für unsere erfolgreiche internationale Expansion und die enge Zusammenarbeit zwischen den Niederlassungen. Nach einem intensiven Wettbewerb mit fünf weiteren Kandidaten sicherte sich Infradata im Mai 2019 den Auftrag zur Entwicklung des umfassenden Security-Systems für das polnische nationale Bildungsnetzwerk. Dieses Projekt wurde mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. Mehr als 25.000 Schulen im Land können nun sicher, schnell und kostenlos auf das Internet zugreifen. Tomovski berichtet: „Dieses Beispiel bestätigt unsere einzigartige Erfahrung und Expertise bei der Umsetzung komplexer Netzwerk- und Security-Projekte. Bei der Entscheidung für unser Unternehmen spielten teilweise Empfehlungen von Zulieferern eine Rolle. Ausschlaggebend waren aber auch unsere Vorschläge zum innovativen Einsatz von Security-Technologien.“

Infradata ist IT-Infrastrukturpartner der Wahl für große Unternehmen und bekannte Marken wie eBay, KPN und Coolblue. Nach dem nächsten Schritt in seiner Wachstumsstrategie gefragt, erklärt Tomovski: „Unser Fokus liegt klar auf Europa. Aus strategischer Sicht ist es unser vordringlichstes Ziel, große Teile des deutschen und britischen Marktes zu erobern. Auch an Skandinavien und der Schweiz sind wir sehr interessiert, weil wir dort bereits mehrere Kunden regelmäßig betreuen. Infradata will sein Wachstum sowohl organisch als auch durch Akquisitionen erreichen. Eine wichtige Rolle bei diesem zweiten Wachstumsschub in Europa spielt die Private Equity Advisory Group IK Investment Partners, die im November 2018 die Mehrheit an Infradata übernommen hat.

Quelle: Globe Magazine von evofenedex, November 2019

19 November 2019

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